Leben & Reisen

Moody Monday #1: Entdecke das Kind in dir

6. August 2017
Moody Monday #1

Es gibt Momente, da frage ich mich: „Wie jetzt? Das soll das geile Erwachsenen-Leben sein, das ich mir als Kind mit allergrößter Fantasie abenteuerlich ausgemalt habe? Das, dem ich jahrelang mit wachsender Begeisterung entgegen gefiebert habe?“ (Kleine Randnotiz zu meiner kindlichen Vorstellung: Jegliche Freiheiten, spät ins Bett gehen und Abenden mit Freunden am Küchentisch in Dauerschleife, so sollte es sein. Theoretisch.)

Momente, in denen die bunten Fantasien meiner Kindheit in etwa so weit vom realen Leben entfernt zu sein scheinen wie die Überwindung meines inneres Schweinehunds vom Gang zum Fitnessstudio. Zeiten, in denen das Leben das Zepter einfach schnurstracks an sich reißt und sich selbstständig macht. Treibt, wozu es Lust hat und man am liebsten lauthals hinterher rufen würde: „He, hast du mich überhaupt gefragt?!“ Oder der Tag, an dem es knallt. So richtig. Man aus dem Auto steigt, kein Blatt Papier mehr zwischen die eigene Stoßstange und den Hintermann passt und denkt: „Beam me up, Scotty. Aber zwar flott! Das kann’s doch nicht gewesen sein?!“ Klarer Fall von Akku leer, Kopf voll. Und der Suche nach dem nächsten Notausgang. Ich bin dann mal weg. Und komme morgen wieder. Vielleicht.

Denn erstmal geht’s zurück in eine andere Welt. Eine, die mir hilft, viele Dinge hin und wieder mit einem Augenzwingern zu sehen und locker zu werden: Zurück in die Kindheit.

Keine Flucht für immer. Nur einen Abend lang. Ein paar Minuten. Manchmal auch nur einen kurzen Augenblick.

Tagträumen, hin zu unbeschwerten Kindheitstagen mit lauen Gartenpartys unter Nachbarn und Omas leckerem Nudelsalat. Oder richtig machen, statt bloß zu träumen. Mit nackten Füßen durchs nasse Gras laufen, bis sich die Hose tropfnass mit Wasser vollgesaugt hat. Weil man’s kann (und die Wäsche sowieso selber wäscht). Cola zum Frühstück und Müsli zum Abendbrot. Weil man Lust drauf hat. Und nein sagen, wenn man den Abend lieber in Jogginghose auf der Couch als in Schale geschmissen im Restaurant verbringt. Weil man nicht mag. Gedanken aus, Gelassenheit an.

Man braucht nicht immer den dritten Arm und den zweiten Kopf, um wachsende To-Do-Listen im Eiltempo abzuhaken. Oder um zu überlegen, was man nach Feierabend zu erledigen hat, wenn man frühmorgens noch nicht mal den zweiten Fuß aus dem Bett gehoben hat. Mutter Natur hätte uns sicherlich mit ein paar zusätzlichen Hilfsmitteln ausgestattet, wenn wir im Eiltempo durchs Leben rennen sollten anstatt hier und da gemütlich durch die Gegend zu schlendern. Hat sie aber nicht, brauchen wir also auch nicht.

Stattdessen ist es viel schöner, alberne Dinge zu machen, sich entspannt zurückzulehnen und das Kind in sich zu entdecken. Nicht immer, aber dann und wann. Um das Leben einzuholen, das Zepter wieder an sich zu reißen und ihm entgegen zu schmettern: „Hier geht’s lang! Mein Leben, meine Regeln.“ Um die Unbeschwertheit wieder zu spüren, die man als Kind tagtäglich ganz unbewusst zwischen Frühstücksbroten, Schulheften und den neuesten Sammelkarten im Rucksack mit sich umher getragen hat. Und um alles ein wenig gerade zu rücken, so wie man es gern mag.

Dann merkt man zwischen den täglichen Aufgabenbergen und schönen Biergarten-Dates nämlich doch: „Ja, das ist das geile Erwachsenen-Leben!“ Nur eben irgendwie anders. Mit einer Portion mehr Realismus und einer Spur weniger rosaroter Kinderbrille. Aber dennoch mit einer Ladung Träume, Fantasie und Kreativität ausgestattet. Dinge, die man braucht, um dem täglichen Wahnsinn gelegentlich herzlich ins Gesicht zu lachen. Und die einem helfen, den Maßstab aus Kindertagen an mein heutiges Leben über Bord zu schmeißen. Weil alles gut ist, wie es ist. Erwachsener, irgendwie. Aber deshalb ganz bestimmt nicht weniger schön.

schöne andere Dinge