Leben & Reisen

Travel The Modern Traditional Way: Travel Guide Madeira

8. August 2017
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Dieser Artikel beginnt mit einem kurzen Geständnis (und ja, es werden noch ein paar mehr). Ganz unverblümt und ohne viel Tamtam. Ich hasse Urlaubsplanung. Und das obwohl ich zu Hause doch so liebevoll „Frau Urlaubsministerin“ genannt werde. Ein leidiges Amt, das ich eher schlecht als recht ausfülle, auch wenn ich so gern so viel entdecken, sehen und kennenlernen möchte. Und trotzdem frage ich mich, wieso ich nicht schon längst von meinem Dienst befreit worden bin?! Die Wahl des richtigen Urlaubsziels dauert bei mir in etwa so lang wie der Urlaub später selbst und beim Vergleichen der Preise auf unzähligen Portalen schwirrt mir irgendwann der Kopf wie nach einer Tageswanderung ohne Reiseproviant.

Vielleicht liegt der Unmut hinsichtlich der alljährlichen Reiseplanung daran, dass es als Kind keine große Wahl gab. Es ging in den ersten Jahren meiner Kindheit meist nach Südtirol. Südtirol mit Ausflug an den Gardasee. Oder, ja genau, nach Südtirol. Was nicht heißt, dass unsere eher einseitig gen Norditalien tendierende Reiserichtung der Urlaubslaune geschadet hätte. Ganz im Gegenteil. Die Vorfreude war immer riesengroß, wir irgendwann Teil der Familie unserer Pensionsbetreiber und es war jeden Sommer wie nach Hause kommen. In die zweite, so herrlich nach Äpfeln und Weintrauben duftende, Heimat.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Reisemöglichkeiten so unglaublich groß sind, dass man das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit tauschen müsste, um wenigstens mal kurz hier und da vorbeizuschauen. Na gut, geht leider nicht. Irgendwann schwirrte dann jedenfalls mal Madeira im Raum. Ganz subtil wurde der Name hier mal fallen gelassen, dort mal eingeschoben. Kurz bei uns festgehalten, flott in die Suchaschine eingetippt, fantastische Bilder bestaunt. Und dann war klar: Da geht’s hin! Ach, und ehm, Achtung, Bilderflut!

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Die Anreise
Nach Madeira führen meist Gabelflüge über Lissabon. Wer schlau ist, hängt dort noch ein paar Tage dran. Zweites Geständnis. Wir waren’s nicht. So vermerke ich aber zumindest schonmal ein weiteres Reiseziel auf meiner Urlaubs-Wunschliste. Das bedeutet vielleicht ein paar Tage weniger Reiseziel-Recherche. Übrigens: Wer lieber direkt fliegt, das geht auch. Zum Beispiel ab Stuttgart.

TMT_Travel_Guide_Madeira_HortensieDie Unterkunft
Die Hotelfrage. Gleich nach der Suche nach dem Urlaubsziel die zweite Hürde im Urlaubsbuchungsprozess. Ich bin kein großer Fan von Hotels, in denen Gäste wie am Gepäckschalter abgefertigt werden und man schon früh morgens seine Ellenbogen ausfahren muss, weil andere den Gang zum Frühstücksbuffet mit einem Wettlauf zum Schnäppchenregal verwechseln. Kleine, schnieke und vor allem stressfreie Hotels sind aber auf Madeira irgendwie Fehlanzeige. Und da ich dann doch lieber in einem statt in keinem Bett schlafe, haben wir uns für das Savoy Saccharum Resort & Spa in Arco Da Calheta entschieden. Das Hotel war einst eine Zuckerrohrfabrik. Die Zimmer sind schön geräumig und modern. Genauso wie der Rest der Anlage. Abzug gibt’s fürs Essen. Das war so la la. Aber zum Glück gibt’s genügend leckere Alternativen. Und sowieso keine Vollpension.

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TMT_Travel_Guide_Madeira_HotelDas Essen
Für alle, die es noch nicht wissen (oder für diejenigen, die kurz davor waren selbst mal nach der Blumeninsel zu googeln): Madeira gehört zu Portugal und zu Portugal ganz bestimmt keine Pizza. Trotzdem wage ich zu sagen: Ich hatte hier die beste Pizza seit langem. In der Manifattura di Gelato, einem kleinen italienischen Lokal am Yachthafen, die neben Pizza und Pasata und außergewöhnlichne italienischen Leckereien auch eine super hausgemachte Limo anbieten.

TMT_Travel_Guide_Madeira_Food_1Und erst das Eis… (Achtung: Geständnis!) Ich habe die zwei Urlaubswochen genutzt, um mich einmal quer durch die Eistheke zu essen: Von Seychelle Vanilla über Belgian Chocolate bis hin zu Berry and White Choc. Ich hatte einmal alles. Kein Spaß (leider). Dafür verdammt gut.

Ebenfalls gut essen kann man im New Era in Arco da Calheta. Regionale Fischgerichte gibt‘s hier zu angemessenen Preisen. Den Degenfisch mit gebratener Banane und Maracujasoße muss man probieren. Saulecker und ausnahmsweise typisch madeiranisch.

Klein, fein, lecker und günstig speist man im Portinho in Jardim do Mar. Direkt am Meer gibt’s in der für Madeira typischen Snackbar Sandwiches und Fisch zu guten Preisen, Meeresbrise inklusive.

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Die Aktivitäten
Bei meinem hohen Eiskonsum gab‘s eigentlich nur eine Alternative für die Urlaubs-Aktivitäten-Planung (die mir übrigens richtig Spaß macht sobald ich Urlaubsboden unter den Füßen habe, dann bin ich quasi im Flow und tue zumindest ein bisschen was für mein Amt). Die Schönheit der Insel erkunden, wandern gehen und feststellen wie wunderbar und abwechslungsreich Europa ist. Denn nur den Bauch zwei Wochen in die Sonne halten, mit dem Resultat neben Erinnerungen auch noch ein wenig mehr Hüftgold mitzubringen, war bei meiner zum Glück nur kurz anhalten Eissucht nicht drin. Schließlich kommt der nächste sonnige Urlaub bestimmt.

Die meisten unserer Wanderungen führen entlang der Levadas, den Bewässerungskanälen der Insel. Sie weisen einem praktisch immer den Weg, sind schön anzuschauen und dienen als erfrischende Trinkwasserreserve (ja, ich weiß wovon ich spreche…). Meine persönlichen Top-3-Wander-Highlights für Wenig-Wanderer, die auch alle im Madeira-Wanderführer von Rother zu finden sind, sind easy machbar (passendes Equipment erwünscht, siehe Wanderung #2) und man hat ordentlich was zu bestaunen.

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Wanderung #1: Von Rabacal entlang der Levada do Risco zum Risco Wasserfall und über Schlucht der Ribeira Grande zu den 25 Fontes
Die wohl beliebteste und deshalb auch am meist besuchteste Wanderroute der Insel. Sie führt vorbei an bewachsenen Levadas, kleinen und großen Wasserfällen, Quellen und Grün soweit das Auge reicht. Ab und zu hat man einen genialen Ausblick in die bewaldeten Hänge, bevor es ganz viele Stufen runter und hoch geht. Und runter, und hoch… Das erste Highlight kommt aber schon, bevor die Wanderung überhaupt begonnen hat. Der Startpunkt der Wanderung liegt über der Wolkendecke, die von oben aussieht wie Zuckerwatte. Flugzeugausblick zum Anfassen sozusagen.
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Wanderung #2: Am Encomeada Pass entlang der Nevada do Norte
Tunnel. Das war das Schlüsselwort, weshalb wir die Tour auf unsere Urlaubs-Bucketlist gesetzt haben. Naja, vielleicht auch noch der Satz „Geeignet für Turnschuhwanderer“. Dazu zählten wir bis dato nämlich auch. War aber kein Problem, da die meisten Wege der roten und blauen Touren gut befestigt waren.

Jetzt aber zurück zum Thema „Tunnel“ und einem kleinen Insidertipp (für Wenig-Wanderer wie wir), der keiner ist, wenn man nur den Kopf anschmeißt: Wenn in der Tourenbeschreibung von einer Taschenlampe die Rede ist, dann braucht man eine. Und zwar eine richtige. Keine Handylampe. Kein Feuerzeug. Hätte man von allein drauf kommen können. Wir sind es mal wieder nicht. (Für alle die schon den Überblick verloren haben: Das ist Geständnis Nummer 4.) Vielleicht hat uns die Schönheit der Insel ein wenig die Gehirnzellen vernebelt. Denn wir dachten erstmal: Geht schon. Handy raus, Licht an, rein in den Tunnel. Was man dann sieht, war nichts. Außer Schwarz. Dass es so nicht geht haben wir schnell eingesehen, die Route geändert, Taschenlampen gekauft und die Wanderung an einem anderen Tag fortgesetzt. Hat sich gelohnt, denn nach dem Tunnel ist nicht gleich vor dem Tunnel.

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TMT_Travel_Guide_Madeira_Wanderung_2_Bild_19Wanderung #3: Von Lamaceiros in die Schlucht der Ribeira de Janela
Am Anfang der Tour, die im Gegensatz der anderen beiden durch den Norden der Insel führt, gibt’s ein paar Essplätze mit grandioser Aussicht, bevor es dann wieder entlang der mit Hortensien und Bananen-Maracujas bewachsenen Levadas durch Eucalyptus- und Lorbeerwälder geht. Ein Hoch auf den Geruch! Irgendwann ändert sich die Vegetation und man ist umgeben von Farnen und Moos. Ein grünes Träumchen!

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Die Ausflugstipps
Wer Wanderschuhe (aka. Turnschuhe) mal für ein paar Tage an den Nagel hängen will und lieber  entspannt flaniert (oder nur entspannt und nur flaniert) anstatt zu wandern hat noch immer viel zu tun. Zum Beispiel in den zwei kleinen netten Fischerdörfern Paul do Mar und Jardim do Mar, in denen Bananen in Gärten wachsen wie bei uns die Tomaten. Ein Stück weiter nördlich der beiden Orte liegt der einzige Leuchtturm der Insel, mit grandiosem Blick über die Steilküste der Insel.
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TMT_Travel_Guide_Madeira_Ausflug_Jardim_do_Mar_Bananen_3TMT_Travel_Guide_Madeira_Ausflug_Jardim_do_Mar_Strasse

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Porto Moniz und die Lavapools
Mein Urlaubsmotto: Wandern mag ich sehr, zwischendurch mal relaxen umso mehr. Eine gute Adresse dafür sind die im Meer angelegten Lavapools. Das Wasser ist zwar frisch, aber die Kulisse einmalig. Fast einmalig ist auch der direkte Zugang zum Meer. Strände gibt es auf der Vulkaninsel mit den Steilhängen sonst kaum.

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Funchal ist schön, aber nicht Pflicht. Wenn man dort ist, lohnt sich ein Abstecher in die Markthalle. Hier gibt’s zum Beispiel Blumen, von denen ich zu Hause nur träumen kann (eine Lieferung monatlich wäre toll). Apropos Blumen: Wenn ich schon keinen grünen Daumen habe, schaue ich mir hübsche Gewächse wenigstens anderswo an. Im Jardim Botanico, dem botanischen Garten.  Es fährt eine Gondel auf den Berg oder man geht zu Fuß. Aber das dauert. Und ist anstrengend. Es spricht mal wieder die Erfahrung aus mir. Aber auch die Begeisterung für das, was man an botanischen Wundern geboten bekommt.

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